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was­ser­ge­fähr­den­de Stoffe

///was­ser­ge­fähr­den­de Stoffe
was­ser­ge­fähr­den­de Stoffe 2017-01-23T13:36:15+00:00

Pflich­ten der Industriebetriebe

Jeder Betrieb, der mit was­ser­ge­fähr­den­den Stof­fen han­tiert, muss sorg­sam mit ihnen umge­hen. Er muss Vor­schrif­ten des deut­schen Was­ser­haus­halts­ge­set­zes und der Län­der ein­hal­ten. Zur­zeit wird in Deutsch­land eine bun­des­ein­heit­li­che Ver­ord­nung für Anla­gen zum Umgang mit was­ser­ge­fähr­den­den Stof­fen (AwSV) vor­be­rei­tet, die vor­aus­sicht­lich 2017 in Kraft tritt. Die­se Vor­schrif­ten betref­fen Betrie­be, die sol­che Stof­fe her­stel­len, wei­ter ver­ar­bei­ten, ein­set­zen, abfül­len, lagern oder umschlagen.

Ein Bei­spiel: Jede Per­son, die was­ser­ge­fähr­den­de Stof­fe in einen Tank ein­füllt oder dar­aus ent­nimmt, muss die­sen Vor­gang über­wa­chen und sich vor Beginn der Arbeit davon über­zeu­gen, dass alle Sicher­heits­ein­rich­tun­gen ord­nungs­ge­mäß funk­tio­nie­ren. Dies betrifft nicht nur Tank­wa­gen­fah­re­rin­nen und -fah­rer beim Belie­fern einer Tank­stel­le, son­dern auch Pri­vat­per­so­nen, die dort ihren Wagen betan­ken. Tre­ten nicht uner­heb­li­che Men­gen was­ser­ge­fähr­den­der Stof­fe aus, die das Grund­was­ser oder ein Ober­flä­chen­ge­wäs­ser gefähr­den kön­nen, muss dies unver­züg­lich der nach Lan­des­recht zustän­di­gen Behör­de oder der nächs­ten Poli­zei­dienst­stel­le gemel­det wer­den. Das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt fasst die­se Unfall­an­zei­gen jedes Jahr in der sta­tis­ti­schen Erhe­bung “Unfäl­le mit was­ser­ge­fähr­den­den Stof­fen” zusammen.

Ein­stu­fung was­ser­ge­fähr­den­der Stoffe

Anla­gen zum Umgang mit was­ser­ge­fähr­den­den Stof­fen müs­sen so gebaut und betrie­ben wer­den, dass kei­ne Ver­un­rei­ni­gung oder nach­tei­li­ge Ver­än­de­rung der Gewäs­ser ent­ste­hen. Dazu müs­sen die in den Anla­gen ver­wen­de­ten Stof­fe auf ihre was­ser­ge­fähr­den­den Eigen­schaf­ten unter­sucht und ein­ge­stuft wer­den. Alle bis­her in eine Was­ser­ge­fähr­dungs­klas­se oder als nicht-wassergefährdend ein­ge­stuf­ten Stof­fe kön­nen in der online-Datenbank Rigo­let­to des Umwelt­bun­des­am­tes recher­chiert werden.

Die Ver­wal­tungs­vor­schrift was­ser­ge­fähr­den­der Stof­fe (VwVwS 1999 mit ergän­zen­der VwVwS 2005) ver­pflich­tet die Betrei­ber von Anla­gen zum Umgang mit was­ser­ge­fähr­den­den Stof­fen, die von ihnen ver­wen­de­ten Stof­fe und Gemi­sche in eine Was­ser­ge­fähr­dungs­klas­se (WGK) ein­zu­stu­fen. Die Ein­stu­fun­gen der Stof­fe sind bei der Dokumentations- und Aus­kunfts­stel­le was­ser­ge­fähr­den­de Stof­fe im Umwelt­bun­des­amt zu dokumentieren.

Bei der Dokumentations- und Aus­kunfts­stel­le was­ser­ge­fähr­den­de Stof­fe wer­den die Ein­stu­fungs­do­ku­men­ta­tio­nen der Betrei­ber erfasst, for­mal und auf Plau­si­bi­li­tät über­prüft und die resul­tie­ren­den Ein­stu­fun­gen der Stof­fe wer­den im Inter­net veröffentlicht.

Die Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter der Dokumentations- und Aus­kunfts­stel­le beant­wor­ten auch Anfra­gen: zum Bei­spiel zum Ein­stu­fungs­pro­ze­de­re, zur for­mal und wis­sen­schaft­lich kor­rek­ten Ablei­tung einer WGK, zur Inter­pre­ta­ti­on von Unter­su­chungs­er­geb­nis­sen zur Gewäs­ser­ge­fähr­dung sowie zu kon­kre­ten Stoff­ein­stu­fun­gen und geben auch Hil­fe­stel­lung bei der Ein­stu­fung von Gemischen.

Die Ein­stu­fun­gen von Gemi­schen wer­den nicht beim Umwelt­bun­des­amt doku­men­tiert, son­dern müs­sen den zustän­di­gen Voll­zugs­be­hör­den der Bun­des­län­der zugäng­lich gemacht wer­den. Für die Doku­men­ta­ti­on kann ein Form­blatt ver­wen­det werden.

Die Kri­te­ri­en, nach denen die was­ser­ge­fähr­den­den Stof­fe ent­spre­chend ihrer Gefähr­lich­keit in die WGK 1, 2 oder 3 oder als nicht was­ser­ge­fähr­dend (nwg) ein­ge­stuft wer­den, ste­hen im Anhang 3 der VwVwS. Ein wich­ti­ger Unter­schied zu ande­ren Ein­stu­fungs­sys­te­men besteht dar­in, dass bis­her nicht aus­rei­chend unter­such­te, nicht ein­ge­stuf­te oder nicht iden­ti­fi­zier­te Stof­fe vor­sorg­lich als stark was­ser­ge­fähr­dend (WGK 3) gelten.

Aus der WGK und der Ton­na­ge der gehand­hab­ten was­ser­ge­fähr­den­den Stof­fe wer­den dann in den ent­spre­chen­den Anla­gen­ver­ord­nun­gen der Bun­des­län­der Anfor­de­run­gen an die Anla­gen abge­lei­tet. Damit soll eine Gefähr­dung von Grund- und Ober­flä­chen­ge­wäs­sern bei dem Gebrauch der Stof­fe und bei Hava­ri­en aus­ge­schlos­sen wer­den. Außer­dem bie­tet die Ein­stu­fung von Stof­fen in drei Was­ser­ge­fähr­dungs­klas­sen oder als nicht was­ser­ge­fähr­dend für Anla­gen­be­trei­ber, Voll­zugs­be­hör­den vor Ort sowie im Fal­le eines Stör­falls für die ört­li­chen Feu­er­weh­ren eine ein­fa­che Ent­schei­dungs­grund­la­ge. Denn sie müs­sen die Rele­vanz aller Kom­bi­na­tio­nen von Gefähr­lich­keits­merk­ma­len für den Gewäs­ser­schutz nicht im Ein­zel­nen beur­tei­len. Die WGK-Einstufung schafft dar­über hin­aus den Anreiz, beson­ders gefähr­li­che oder schlecht unter­such­te Stof­fe durch sol­che, die weni­ger was­ser­ge­fähr­dend und gut unter­sucht sind, zu ersetzen.

Fluss­dia­gramm zur Ein­stu­fung was­ser­ge­fähr­den­der Stoffe